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iFeature – Der Sound der inneren Dämonen

Bereits im Sommer gewährte uns iFeature Einblicke in seine musikalische Welt zwischen Studio, Softwareentwicklung und Clubkultur. Mit seiner neuen Single „Sacrifice”, die am 23. Oktober erschienen ist, schlägt der Produzent nun ein besonders persönliches Kapitel auf. Treibender Drum & Bass trifft auf düstere Klangwelten und eine Geschichte über Ängste, Traumata und die Konfrontation mit den [...]

Bereits im Sommer gewährte uns iFeature Einblicke in seine musikalische Welt zwischen Studio, Softwareentwicklung und Clubkultur. Mit seiner neuen Single „Sacrifice”, die am 23. Oktober erschienen ist, schlägt der Produzent nun ein besonders persönliches Kapitel auf. Treibender Drum & Bass trifft auf düstere Klangwelten und eine Geschichte über Ängste, Traumata und die Konfrontation mit den eigenen Dämonen. Nun verrät iFeature uns, welche Erfahrungen hinter dem Track stecken, wie seine selbst entwickelten Plug-ins den Sound prägen und warum Musik und visuelles Storytelling für ihn untrennbar miteinander verbunden sind.

Als wir im Sommer miteinander gesprochen haben, war „Sacrifice” noch unveröffentlicht. Jetzt ist der Track erschienen. Was macht diese Veröffentlichung für dich so besonders?

„Sacrifice” begleitet mich schon eine ganze Weile. Ich habe den Track erstmals als unveröffentlichte ID bei der Fête de la Musique in Paris vor über 2.000 Menschen gespielt. Die Reaktion des Publikums hat mir damals sofort gezeigt, dass ich ihn unbedingt veröffentlichen muss. Darüber hinaus ist es wahrscheinlich der ehrlichste Track, den ich je produziert habe. Er handelt von etwas, das ich in meinem Leben schon oft gefühlt habe und das meiner Meinung nach jeder Mensch auf irgendeine Weise kennt. Ihn jetzt zu veröffentlichen, fühlt sich an, als könnte ich endlich loslassen.

Im Mittelpunkt steht eine Verfolgungsjagd, der man nicht entkommen kann. Wie ist diese Geschichte entstanden, und welche Bedeutung hat der Titel?

Die Idee entstand aus wiederkehrenden Albträumen. Aus diesen Träumen, in denen man ständig vor etwas davonläuft, dem man einfach nicht entkommen kann. Irgendwann wurde mir klar, dass die Bestie in diesen Träumen gar nichts Äußeres ist. Sie steht für unsere Traumata, für all die Dinge, die wir mit uns herumtragen und vor denen wir versuchen wegzulaufen. Der Titel beschreibt den Moment, in dem man begreift, dass es kein Entkommen gibt. Man muss etwas opfern, vielleicht sogar einen Teil von sich selbst, um sich dem Ganzen zu stellen. Nur so kann man diesen Kreislauf durchbrechen.

Musikalisch trifft diese düstere Geschichte auf treibenden Drum & Bass mit 174 BPM. Wie hast du die emotionale Tiefe mit der Energie des Dancefloors verbunden?

Ich wollte, dass sich der Track von der ersten Sekunde an wie eine Verfolgungsjagd anfühlt. Die Drums treiben unaufhörlich voran, sodass sich der Körper weiterbewegt, während der Kopf an einem viel düstereren Ort ist. Für mich steckt die Emotion in der Atmosphäre und der Spannung, während die Energie für den Dancefloor aus dem Groove kommt. Der zweite Drop ist schließlich der Moment, in dem die Bestie dich einholt. Ein großes Shoutout geht auch an meinen Freund Phace, eine absolute Legende, wenn es um Triolen in der Drum-&-Bass-Szene geht. Er hat mir gegen Ende der Produktion noch dabei geholfen, den Track weiter zu verfeinern und der Percussion zusätzlichen Groove zu verleihen. Love u Flo!

Bereits im Sommer haben wir über deine selbst entwickelten Plug-ins gesprochen. Welche Rolle haben sie bei „Sacrifice” gespielt, und was hast du diesmal Neues ausprobiert?

Eine riesige! Jedes Plug-in, das bei diesem Track zum Einsatz kam, habe ich selbst entwickelt. Rive und Fusion habe ich für Texturen und Sounddesign verwendet, Thorn für die Drums und Percussion. RM40 hat bestimmten Texturen einen raueren, volleren Charakter verliehen. Mit meinem Spectral Gate habe ich gezielt bestimmte Rauschanteile entfernt, um anschließend mit obra das verbleibende Signal zu verzerren und viel kontrollierter zu verändern. Am meisten begeistert mich aber ein Partial-Walker, den ich speziell für diesen Track entwickelt habe. Dabei liegen alle ungeradzahligen Obertöne in Mono, während die geradzahligen vollständig auf die Stereoseiten verteilt werden. Dazu kommt ein Hall, der ebenfalls ausschließlich auf den Seiten liegt. Das Ganze wird von einem Arpeggiator gesteuert, der jeden einzelnen Partialton leicht unterschiedlich anspielt.

Ich habe das als Riser im Break und im Build-up eingesetzt, um eine zusätzliche atmosphärische Ebene zu schaffen. Dadurch bekommt der Track eine fast schon psychedelisch-beklemmende Stimmung, als würde einen ständig etwas verfolgen. Genau dieses Gefühl zieht sich durch die gesamte Geschichte. Außerdem experimentiere ich gerade viel mit Fusion 2, das irgendwann auch für alle OG-Fans erscheinen wird, die bereits Fusion 1 benutzt haben.

Auch die visuelle Gestaltung erinnert an einen düsteren Psychothriller. Wie ist diese Bildwelt entstanden, und wie wichtig ist dir das Zusammenspiel von Musik und Bildern?

Für mich sind die beiden untrennbar miteinander verbunden. Ich habe meine Musik schon immer wie Filme wahrgenommen. Wenn ich einen Track produziere, sehe ich die Szenen bereits vor meinem inneren Auge. Bei „Sacrifice” war das nicht anders. Das Konzept stammt von mir, und ich wollte, dass die Menschen dieselbe Verfolgungsjagd sehen können, die sie im Track hören. Maidy Amour (@maidy_amour) hat diese ganze chaotische Idee in eine geordnete visuelle Welt verwandelt. Sie ist eine unglaublich talentierte Art-Direktorin mit einem Masterabschluss in Art Direction, und ich bin wirklich froh, sie in meinem Team zu haben.

Sie hat das Storyboard entwickelt, die Fotos und Videos im Wald aufgenommen und den gesamten Schnitt übernommen. Ein großer Teil des Materials entstand bei einem nächtlichen Dreh im Wald. Gemeinsam haben wir diesen Look entwickelt: die starken Schwarz-Weiß-Kontraste, die Dunkelheit und die thermischen Farben, die das Gefühl vermitteln, dass man gejagt wird. Visuelles Storytelling ist mir unglaublich wichtig, weil ich möchte, dass die Menschen die Geschichte nicht nur hören, sondern auch fühlen. Ein Shoutout geht auch an meinen Freund August (@augusteauffret). Er ist ein talentiertes High-Fashion-Model und hat uns hinter den Kulissen sowie bei den Dreharbeiten zu bestimmten Szenen unterstützt.

Schon auf „I Couldn’t Carry It Anymore” hast du sehr persönliche Themen verarbeitet. Ist die Auseinandersetzung mit dunkleren Gefühlen mittlerweile ein fester Bestandteil deiner künstlerischen Identität?

Ich glaube, das war sie schon immer. Ich habe nur aufgehört, es zu verstecken. „I Couldn’t Carry It Anymore” handelte von der Last, die man mit sich herumträgt. Bei „Sacrifice” geht es darum, vor dieser Last davonzulaufen. Musik ist für mich eine Möglichkeit, solche Dinge zu verarbeiten. Und ich habe festgestellt, dass sich die Menschen viel stärker mit meiner Musik identifizieren können, wenn ich ehrlich mit meinen dunklen Seiten umgehe. Es geht nicht darum, Dunkelheit um ihrer selbst willen darzustellen. Es geht darum, zu zeigen, dass man mit diesen Gefühlen nicht allein ist. Und ich glaube, dass es auch Stärke zeigt, seine Emotionen offenzulegen.

Am 14. November steht dein Auftritt im Pariser Le Trabendo an. Worauf dürfen sich die Besucher freuen, und welche Projekte beschäftigen dich aktuell?

Ich freue mich riesig auf den 14. November im Le Trabendo in Paris, wo ich gemeinsam mit Nitepunk, What So Not, Tom Finster, Visages und Soza auf dem Line-up stehe. Ihr könnt ein energiegeladenes Set erwarten, natürlich mit „Sacrifice”, aber auch mit einigen neuen, bisher völlig unveröffentlichten IDs, die noch niemand gehört hat. Aktuell arbeite ich an vielen verschiedenen Projekten, sowohl an neuer Musik als auch an neuen Tools wie Fusion 2. Da kommt also noch einiges!

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Der Beitrag iFeature – Der Sound der inneren Dämonen ist auf FAZEmag erschienen.

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